2026

Immersives Klassenzimmer in der Schule: was es ist, wie es funktioniert, Beispiele

Aula immersiva a scuola: cos'è, come funziona, esempi

Ein immersives Klassenzimmer ist ein Raum, in dem Wände und Boden zu Flächen werden, auf die Inhalte projiziert werden, die auf die Bewegungen der Schülerinnen und Schüler reagieren, zusammen mit synchronisierten Lichtern und Klängen. Die Klasse schaut nicht auf einen Bildschirm: Sie tritt in den Unterricht ein und erkundet ihn mit dem Körper, allein oder in der Gruppe, angeleitet von der Lehrkraft.

In diesem Leitfaden sehen wir uns an, was ein immersives Klassenzimmer ist, wie es funktioniert, was man für die Einrichtung braucht und worin es sich von Smartboard und virtueller Realität unterscheidet. Danach finden Sie sechs Unterrichtsbeispiele nach Schulstufe sowie Hinweise zur Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf (BES), zur Fortbildung der Lehrkräfte und zu Finanzierungsmöglichkeiten.

Immersives Klassenzimmer: Was ist das und was bedeutet es?

Immersiv bedeutet, dass das Erlebnis die Person umhüllt, die es erlebt. In einem immersiven Klassenzimmer wird die gesamte Umgebung zum Unterrichtsmaterial: ein Meeresgrund auf dem Boden, eine historische Karte an der Wand, eine Zahlenfolge, die man Schritt für Schritt abschreitet.

Es geht nicht nur um das visuelle Spektakel. Ein immersives Klassenzimmer für den Unterricht ist interaktiv: Es erkennt die Bewegungen, Gesten oder Entscheidungen der Schülerinnen und Schüler und reagiert darauf. So kann man durch Handeln lernen, mit dem Körper, wie es der Ansatz des verkörperten Lernens (embodied learning) nahelegt.

Wenn die Umgebung auch Reize für die anderen Sinne umfasst (Düfte, Materialien zum Anfassen, Blasen), spricht man von einem multisensorischen Klassenzimmer. Die beiden Konzepte liegen nah beieinander: Einen Überblick bietet der Leitfaden zum multisensorischen Raum.

Was ist der Unterschied zwischen immersivem Klassenzimmer, Smartboard und virtueller Realität?

Es sind unterschiedliche Technologien, die für unterschiedliche Zwecke nützlich sind. Die Tabelle hilft bei der Orientierung.

AspektSmartboard oder interaktiver MonitorVR-BrilleImmersives Klassenzimmer
Wohin man schautEine Fläche vor der KlasseEin Display vor den AugenWände und Boden rund um die Klasse
Wer interagiertMeist eine Person nach der anderenEine Person pro BrilleMehrere Schülerinnen und Schüler gemeinsam
Einsatz des KörpersBeschränkt auf Hand und StiftKopfbewegungen und ControllerGanzer Körper: Schritte, Gesten, Sprünge, Stimme
Beziehung zu den MitschülernDie Gruppe schaut zuJede Person isoliert in der eigenen BrilleDie Gruppe sieht sich und arbeitet zusammen
Rolle der LehrkraftLeitet von der Tafel ausSchwer zu sehen, was die Schülerin oder der Schüler siehtLeitet das Erlebnis und sieht alles

Das immersive Klassenzimmer ersetzt weder das Smartboard noch die virtuelle Realität. Es ist die passendste Wahl, wenn man Bewegung, Gruppenarbeit und die Beteiligung aller verbinden möchte, auch der Schülerinnen und Schüler, die mit individuellen oder tragbaren Geräten Schwierigkeiten haben.

Wie funktioniert ein immersives Klassenzimmer?

Das Prinzip ist einfach: Der Raum sieht, was die Schülerinnen und Schüler tun, und antwortet. Ein Schritt, eine Geste, eine Entscheidung verändern in Echtzeit Bilder, Klänge und Lichter. Die Technik bleibt im Hintergrund; im Vordergrund stehen die Klasse, der Inhalt und die Beziehung.

Bei SENSEi steuert die Lehrkraft alles über ein Tablet: Sie wählt die Aktivität, regelt Schwierigkeit und Tempo, pausiert, wechselt die Szene. Mehrere Kinder spielen gemeinsam, ohne etwas tragen zu müssen, und das System hilft, den Lernweg zu dokumentieren. Für die Lehrkraft bedeutet das, die Klasse anschauen zu können und nicht den Bildschirm: zu beobachten, wer die Initiative ergreift, wer einem Mitschüler hilft, wer mehr Zeit braucht. Die Konfigurationen finden Sie auf der Seite Der magische Raum.

Was braucht man für ein immersives Klassenzimmer in der Schule?

Man braucht kein neues Klassenzimmer. Man braucht einen geeigneten Raum, eine zuverlässige interaktive Umgebung und vor allem ein gemeinsames pädagogisches Konzept.

  • Eine Umgebung, die antwortet: Wände und Boden werden zu Spiel- und Lernflächen, mit Lichtern und Klängen, die die Aktivität begleiten.
  • Für den Unterricht konzipierte Aktivitäten: das eigentliche Herzstück des Klassenzimmers, auszuwählen oder zu erstellen je nach Lehrplan und Klasse.
  • Die Regie der Lehrkraft: Wer unterrichtet, leitet die Stunde, während er sich zwischen den Schülerinnen und Schülern bewegt, ohne hinter einem Computer zu sitzen.
  • Ein gemeinsames Konzept: Ziele, Zeiten und Nutzungsweisen werden gemeinsam vom Kollegium festgelegt, damit das Klassenzimmer der ganzen Schule gehört.
  • Raum: eine Fläche ohne sperrige Möbel, helle Wände und die Möglichkeit, das Tageslicht mit Vorhängen oder Verdunkelung zu kontrollieren.
  • Fortbildung: damit das Werkzeug zum alltäglichen Unterricht wird und kein gelegentliches Ereignis bleibt.

Bei SENSEi wird die Technik an der Decke installiert und die vorhandenen Wände werden genutzt, ohne Bauarbeiten. Eine durchdachte Liste der multisensorischen Elemente finden Sie im Leitfaden dazu, was in einen multisensorischen Raum gehört.

Beispiele für das immersive Klassenzimmer: sechs Unterrichtsstunden nach Schulstufe

Hier sind sechs konkrete Ideen. Es sind Planungsbeispiele, die an die Klasse und die Lehrplanziele angepasst werden sollten.

Kindergarten: die Reise der Farben

Auf dem Boden erscheinen große Farbflecken. Die Lehrkraft ruft eine Farbe, und die Kinder springen dorthin. Die Lichter im Raum wechseln bei jeder Entdeckung den Farbton. Geübt werden Farberkennung, Zuhören und Koordination. Weitere Ideen finden Sie auf der Seite zum Kindergarten.

Kindergarten: die Jahreszeiten im Wald

Die Wand zeigt einen Wald, der sich mit den Jahreszeiten verändert. Die Kinder bewegen die Arme, um Blätter fallen oder Schnee rieseln zu lassen, und hören die Klänge jeder Jahreszeit. Es ist eine Aktivität zu Beobachtung und Sprache, die sich mit Materialien zum Anfassen bereichern lässt.

Grundschule: der Zahlenstrahl zum Ablaufen

Auf dem Boden erscheint ein Zahlenstrahl. Die Schülerinnen und Schüler lösen Additionen und Subtraktionen, indem sie sich mit dem Körper vorwärts und rückwärts bewegen. Das System bestätigt die richtige Position mit einem Klang. Die Bewegung macht das Denken sichtbar.

Grundschule: mitten im Wasserkreislauf

Die Wände zeigen Meer, Wolken und Berge. In Gruppen aktivieren die Schülerinnen und Schüler mit Gesten die Phasen des Wasserkreislaufs: Verdunstung, Kondensation, Niederschlag. Jede Gruppe erklärt anschließend der Klasse eine Phase. Weitere Vorschläge finden Sie auf der Seite zur Grundschule.

Sekundarstufe I: ganze Zahlen mit dem Körper

Die Schülerinnen und Schüler bewegen sich auf einer projizierten Geraden, um Rechenoperationen mit positiven und negativen Zahlen darzustellen. Das ist die Art von Aktivität, die mit der UC Berkeley und der NTNU untersucht wurde und weiter unten beschrieben wird.

Sekundarstufe: eine antike Stadt erkunden

Die Wände zeigen die Rekonstruktion einer antiken Stadt. Die Schülerinnen und Schüler wählen einen Weg, sammeln Hinweise und diskutieren ihre Hypothesen in der Gruppe. Geübt werden kritisches Denken, Zusammenarbeit und Fachwortschatz. Mehr dazu auf der Seite zur Sekundarstufe.

Wie organisiert man eine Unterrichtsstunde im immersiven Klassenzimmer?

Eine wirksame Stunde hat drei Phasen, wie eine gute Stunde im Klassenraum.

  • Vorher: Die Lehrkraft legt das Ziel fest, wählt oder erstellt die Aktivität und entscheidet, wie die Klasse aufgeteilt wird. Oft empfiehlt sich Gruppenarbeit, bei der sich Handelnde und Beobachtende abwechseln.
  • Währenddessen: Die Regeln werden in Ruhe erklärt, es gibt einen Probedurchlauf, und dann geht es los. Die Lehrkraft beobachtet, regt mit Fragen an und regelt die Schwierigkeit über das Tablet.
  • Danach: Zurück im Klassenzimmer wird besprochen, was entdeckt wurde. Die mündliche, schriftliche oder grafische Verarbeitung festigt das Gelernte.

Fehler, die man vermeiden sollte

  • Das Klassenzimmer nur als Belohnung oder zur Unterhaltung nutzen, ohne pädagogisches Ziel.
  • Zu viele Reize gleichzeitig anbieten: Lichter, Klänge und Bilder müssen der Aktivität dienen.
  • Die ganze Klasse gleichzeitig hereinlassen, wenn die Aktivität Platz und Abwechslung erfordert.
  • Die Dokumentation vergessen: Ohne Beobachtungen ist schwer zu erkennen, was funktioniert.

Was sagt die Forschung über das Lernen in einem immersiven Klassenzimmer?

Die Forschung, auf der SENSEi beruht, liefert einige nützliche Hinweise, die stets mit Vorsicht zu lesen sind.

  • Im Projekt IMAGINE, vorgestellt auf der Konferenz ACM CHI, interagieren Kinder mit Körper und Gesten mit Inhalten auf Wänden und Boden. Eine kontrollierte Studie mit 48 Kindern im Alter von 6 bis 8 Jahren weist auf ein pädagogisches Potenzial hin, auch im Vergleich zum herkömmlichen Unterricht.
  • Mit MOVES führt die Forschungsgruppe eine Feldstudie mit 175 Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahren durch und vergleicht fünf Interaktionsformen (Füße, Hände, Karten, Stab und Stimme). Es zeigen sich Unterschiede darin, wie sich die Kinder einbringen, sowie konkrete Hinweise für die Gestaltung der Aktivitäten.
  • Eine im British Journal of Educational Technology veröffentlichte Studie mit der UC Berkeley und der NTNU umfasst 29 Schülerinnen und Schüler der ersten bis dritten Klasse der Sekundarstufe I, die an der Arithmetik ganzer Zahlen arbeiten, indem sie sich im Raum bewegen, mit Feedback des Systems und der Unterstützung einer Lehrkraft. Die Arbeit untersucht, wie künstliche Intelligenz und Lehrkraft zusammenarbeiten können.

Die gemeinsame Botschaft lautet: Die Technik funktioniert am besten, wenn die Lehrkraft im Mittelpunkt bleibt. Dies sind nur einige der über 40 wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Forschungsgruppe, aus der SENSEi hervorgegangen ist, entstanden am Politecnico di Milano mit den Projekten Magic Room und Magika. Wir sprechen darüber im Artikel zur hybriden Unterrichtsintelligenz. Alle Veröffentlichungen finden Sie im Bereich Forschung.

Immersives Klassenzimmer und Inklusion: wie man Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf einbezieht

Ein immersives Klassenzimmer kann ein Werkzeug der Inklusion sein, vorausgesetzt, es ist gut geplant. SENSEi folgt dem Prinzip der umgekehrten Inklusion: Man plant ausgehend von den komplexesten Bedürfnissen, sodass die Aktivitäten für die ganze Klasse funktionieren.

  • Mehrere Kanäle: Jeder Inhalt wird mit Bildern, Klängen, Text und bei Bedarf mit Piktogrammen für die Unterstützte Kommunikation angeboten.
  • Mehrere Arten der Teilnahme: Ein Kind kann sich über den ganzen Boden bewegen, ein anderes mit einer Geste oder der Stimme interagieren.
  • Regulierung: Die Lehrkraft kann Licht, Klang und Geschwindigkeit für reizempfindliche Kinder reduzieren.
  • Rollen in der Gruppe: Alle haben eine Aufgabe, sodass niemand nur Zuschauer bleibt.
  • Übereinstimmung mit PEI und PDP: Die individuellen Ziele der italienischen Förderpläne werden in dokumentierbare Aktivitäten und Beobachtungen übersetzt.

Ein praktisches Beispiel. Bei der Aktivität zum Zahlenstrahl kann ein Kind mit motorischen Einschränkungen die Antwort mit einer Handbewegung anzeigen, während ein Mitschüler sich für es bewegt; ein Kind, das noch nicht liest, kann mit Klängen zählen; wer schneller ist, kann zum Tutor der Gruppe werden. Dieselbe Aktivität bezieht mit kleinen Anpassungen die ganze Klasse ein. Die Forschung zu bewegungsbasierten Aktivitäten in Klassen mit autistischen Schülerinnen und Schülern beobachtet unter anderem mehr soziale Initiativen gegenüber Mitschülern während des kooperativen Spiels.

Was sich für die Schule verändert: reale Beispiele

Wenn ein immersives Klassenzimmer wirklich Teil des Schullebens wird, verändert sich das Miteinander. Die Schülerinnen und Schüler warten, bis sie an der Reihe sind, helfen sich gegenseitig und erzählen den anderen, was sie entdeckt haben. Die Lehrkräfte finden einen Ort, an dem sie neue Unterrichtsformen ausprobieren und die Klasse aus einer anderen Perspektive beobachten können.

Am IC Perlasca in Bareggio werden die immersiven SENSEi-Umgebungen gemeinsam mit den Lehrerinnen für eine ganze Schule neu gedacht, vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe. In den sizilianischen Schulen der Primar- und Sekundarstufe I entstehen die immersiven Klassenzimmer mit Technikern vor Ort und beherbergen auch Aktivitäten, die von der Insel erzählen. Zwei verschiedene Wege, das Klassenzimmer zu einem Projekt der ganzen Schulgemeinschaft zu machen.

Fortbildung der Lehrkräfte: warum sie entscheidend ist

Ein immersives Klassenzimmer ist kein größerer Beamer. Um es gut zu nutzen, braucht es Kompetenzen in Unterrichtsplanung, Gruppenleitung und Beobachtung. Die Fortbildung sollte die praktische Nutzung des Systems, die Erstellung von Aktivitäten und die Dokumentation der Ergebnisse umfassen.

SENSEi begleitet die Schulen mit Fortbildungsangeboten und mit Eureka, der Plattform zum Erstellen und Teilen von Aktivitäten, auch mithilfe künstlicher Intelligenz.

Wie finanziert man ein immersives Klassenzimmer?

Die Schulen haben verschiedene Wege genutzt. Der Piano Scuola 4.0, verbunden mit der Investition 3.2 der Mission 4 des PNRR (des italienischen Aufbau- und Resilienzplans), hat die Umwandlung von Klassenzimmern in innovative Lernumgebungen finanziert und nennt ausdrücklich Technologien, die das immersive Erlebnis fördern. Einige Regionen haben eigene Ausschreibungen veröffentlicht: Die Regione Siciliana hat zum Beispiel immersive Klassenzimmer mit zwei Rundschreiben in den Jahren 2024 und 2025 finanziert.

Ausschreibungen ändern sich häufig und haben genaue Regeln zu Ausgaben, Fristen und Abrechnung. Praktische Hinweise haben wir im Leitfaden dazu gesammelt, wie man ein multisensorisches Klassenzimmer finanziert.

Häufige Fragen

Was ist ein immersives Klassenzimmer, einfach erklärt?

Es ist ein Klassenzimmer, in dem Wände und Boden Inhalte zeigen, die auf die Bewegungen der Schülerinnen und Schüler reagieren. Die Klasse lernt, indem sie sich im Unterricht bewegt, statt ihn auf einem Bildschirm anzusehen.

Wie viel Platz braucht ein immersives Klassenzimmer?

Das hängt von der gewählten Konfiguration ab. Im Allgemeinen braucht man eine Fläche ohne sperrige Möbel und regulierbares Licht. Wir bewerten den Raum gemeinsam mit der Schule.

Ist ein immersives Klassenzimmer für den Kindergarten geeignet?

Ja, mit kurzen Aktivitäten, die auf Bewegung und Spiel beruhen, und mit sorgfältig regulierten Reizen. Die Lehrkraft leitet das Erlebnis und passt es an das Alter an.

Was kostet ein immersives Klassenzimmer?

Das hängt von der Konfiguration, der Fortbildung und den gewählten Dienstleistungen ab. Kontaktieren Sie uns für ein maßgeschneidertes Angebot.

Braucht man einen Techniker für die tägliche Nutzung?

Nein. Die Lehrkraft startet und leitet die Aktivitäten über das Tablet. Die Einführungsschulung dient dazu, das System selbstständig zu nutzen und neue Stunden zu planen.

Ersetzt ein immersives Klassenzimmer den herkömmlichen Unterricht?

Nein. Es ist ein zusätzliches Werkzeug, nützlich für bestimmte Aktivitäten und Ziele. Es funktioniert am besten, wenn es in die Unterrichtsplanung der Klasse eingebunden ist.

Möchten Sie ein immersives Klassenzimmer mit Ihrer Schule ausprobieren?

Wir zeigen Ihnen, wie es funktioniert und welche Aktivitäten Sie mit Ihren Klassen durchführen können. Demo buchen.

Quellen

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